01. Oktober 2019

Resolution 2 des Landesparteitages 2019: Gegen einen 13-Stunden-Arbeitstag in der Gastronomie

 

DIE LINKE. Saar unterstützt die Beschäftigten im Hotel- und Gaststätten Gewerbe und ihre Gewerkschaft NGG (Nahrung, Genuss, Gaststätten) in ihrem Kampf gegen einen 13-Stunden-Arbeitstag.

Antragsbegründung: Der Arbeitgeberverband DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) fordert auf Bundesebene und in seinen Landesverbänden eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes zugunsten einer ‚Flexibilisierung der Arbeitszeit‘. Hierzu hat der Bundesverband DEHOGA eine Öffentlichkeitskampagne gestartet. Inhalt und Ziel der Änderung des Arbeitszeitgesetzes ist es, die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden auf bis zu 13 Stunden auszudehnen und dabei anstelle einer werktäglichen Arbeitszeit eine ‚europarechtskonforme ‘Wochenarbeitszeit von 48 Stunden einzuführen und damit verbunden Ruhezeiten zu verkürzen. Unterstützung erhalten der Arbeitgeberverband und seine Landesverbände von der Politik vonseiten der CDU, FDP und Teilen der GRÜNEN, die SPD hat sich bisher nicht eindeutig positioniert. Auch die Landesregierungen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben Gesetzes-Initiativen gestartet. Ebenso steht der ‚Bundesverband der deutschen Arbeitgeberverbände‘ (BDA) hinter dem Mitgliedsverband DEHOGA, im Saarland die ‚Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände e.V. ‘ (VSU). Unter dem Vorwand, Tarifautonomie zu stärken, Mitbestimmung zu achten und zu fördern und den Wünschen der Arbeitenden nachzukommen, wird dem bis zu 13-Stunden-Arbeitstag Tür und Tor geöffnet. Mitbestimmung in den Betrieben der Gastronomie existiert quasi nicht und eine Tarifbindung besteht nur in lediglich 10 Prozent (Ost) und 27 Prozent (West) der gastronomischen Betriebe. In der Folge kann jede/r Gastronom/in kann fast machen, was er/sie will und die Arbeitenden flexibel -aus seiner/ihrer- Sicht im Betrieb einsetzen. Die Folgen einer Änderung des Arbeitszeitgesetzes treffen nicht nur die Kolleginnen und Kollegen in der Gastronomie, denn die Änderung eines Gesetzes wird weitreichende Folgen haben auf das Arbeitsleben aller Arbeitenden Als Erstes werden die in der Pflege Beschäftigten folgen, dann der Einzelhandel, und dann andere Beschäftigtengruppen. Die Änderung des Arbeitszeitgesetzes wird letztendlich ALLE Arbeitenden betreffen und einen neoliberalen Sieg über die in mehr als hundert Jahren hart erkämpfte Arbeitszeitregelungen bedeuten. Das Gastgewerbe, die Gastronomie wird nur vorausgeschickt, wohl wissentlich, dass es relativ geringe Organisationsgrade gibt in der Branche und kaum Strukturen nach dem Mitbestimmungsgesetz (Betriebsräte/innen, Vertrauensleute etc.), nicht zu vergleichen mit Industrie oder Handel. In Rheinland-Pfalz beispielsweise arbeiten die Arbeitenden in der Gastronomie seit fast anderthalb Jahren ohne Entgelttarifvertrag. Die Gewerkschaft und ihre Mitglieder weigern sich trotz den angebotenen Lohnsteigerungen von bis zu 22% das Arbeitszeitgesetz aufzugeben und die gesamte Gastronomie als ‚Saisongewerbe‘ (ähnlich Landwirten/innen) anzuerkennen. Tarifvertragliche Regelungen wie Arbeitszeitkonten (bspw. im Saarland), Vertrauensarbeitszeit, Schichtsysteme, Gleitzeit, Teilzeit etc.) ermöglichen bereits heute ein großes Maß an Spielräumen. Für die Arbeitende - wie auch für ArbeitgeberInnen besteht bereits heute ein umfangreiches Instrumentarium zur flexiblen und betriebsnotwendigen Flexibilität wie auch zur Planung des Lebens außerhalb der Arbeit zur Verfügung. Dieses muss lediglich sinnvoll genutzt werden. Darüber hinaus halten ArbeitswissenschaftlerInnen eine Begrenzung der täglichen Höchstarbeitszeit für unverzichtbar, da die Ausdehnung auf lange Arbeitszeiten eine tätigkeits- und arbeitsplatzbezogene ‚Belastungsexplosion‘ bedeuten und die zur notwendigen Erholung und die Zeit für außerberufliche, private (bspw. familiäre) Belange stark verkürzt.1 Darüber hinaus zeigen sich konkret gesundheitliche (physische und psychische) gesundheitliche Beeinträchtigungen und eine exponentielle Steigerung sicherheitsbezogener Risiken durch Fehlhandlungen.

 

 

Artikelgröße:
503 Wörter, 3688 Zeichen exklusive Leerzeichen, 4190 Zeichen insg.

 

Permanenter Link zu diesem Artikel:
http://dielinkesaar.de/index.php?id=nb&id2=1569916849-100049


 

zurück

Zurück zur Startseite

 

 

 

 

 
Empfehlen Sie uns doch weiter, es ist ganz einfach!